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Wohin mit dem Boot?

Autor: Erdmann Braschos
  

Ganz gleich, ob man ein Boot neu oder gebraucht gekauft hat, stellt sich die entscheidende Frage nach dem Liegeplatz. Diese Frage ist so wichtig, dass sie schon vor dem Kauf geklärt sein sollte.

Wohin mit dem Boot?

Denn bereits mit der Wahl des Liegeplatzes, des Winterlagers oder eines Landstellplatzes für das Boot, beispielsweise in einem südlichen Revier, trifft der Eigner eine wichtige Entscheidung. Ganz einfach weil der Liegeplatz mehr ist als ein Standort für das Boot, an dem man sich wohlfühlen möchte.

Im fernen Revier ist der Bootseigner auf eine Infrastruktur von A wie „Antifouling“ bis „Z“ wie Zinkanode angewiesen. Man kann und möchte diese Dinge nicht im Fluggepäck mitnehmen.

Das Spektrum ist von der teuren Full Service Marina über den Club bis hin zur Bootsbastler Selbsthilfewerkstätte groß. Man begibt sich mit der Wahl des Liegeplatzes, und sei es nur für einige Wintermonate, in ein Umfeld, das unbedingt zu den eigenen finanziellen Verhältnissen und persönlichen Vorstellungen passen sollte.

Wer gut verdient, lässt alles am Boot machen. Seine Freizeit ist zu wertvoll und knapp, um sich mit Wartungsarbeiten am Boot zu beschäftigen. Gerade beim Schreibtischtäter ist handwerkliches Geschick und technisches Verständnis eher unüblich.

Wer weniger Geld, dafür mehr Zeit hat, versucht praktisch alles selbst zu machen. Es ist ein sehr individueller Mix aus Geld und Zeit, aus machen lassen und selbst machen, den sich jeder Eigner aussuchen kann.

Allerdings gibt es auch Erwartungen des Vermieters. Dem einen genügt die Vermietung des Liegeplatzes. Der nächste sieht den Liegeplatz als Einstieg in weitere Geschäfte rings ums Boot.

Es gibt Liegeplätze, wo ungern gesehen wird, dass der Eigner umfangreiche Wartungsarbeiten, Reparaturen oder Umbauten an seinem Boot selbst vornimmt. Das mag seltsam erscheinen, ist aber gerade an gefragten Revieren im Süden oder an Seen üblich, sofern die Nachfrage nach Plätzen größer als das Angebot ist. Dort kann der Vermieter die Konditionen diktieren. Viele Liegeplatzverträge enthalten im Kleingedruckten die Verpflichtung praktisch alle Arbeiten von Dienstleistern vor Ort machen zu lassen. Die Beschäftigung Externer ist ausdrücklich verboten. Manchmal wird das dennoch geduldet, manchmal nicht. Deshalb: Hingucken!

In diesem Zusammenhang: das Kleingedruckte der allgemeinen Geschäftsbedingungen mancher Verträge auch zur vorübergehenden Bootslagerung ist so abgefasst, dass sich der Vertrag automatisch verlängert, wenn er nicht bei Ende der Bootslagerung oder Liegezeit zusätzlich schriftlich gekündigt wurde. Deshalb: Aufpassen!

Viele Bootslager arbeiten mit Servicebetrieben für übliche Arbeiten (Unterwasserschiff Schleifen und Anifouling-malen), mit Mechanikern zur Wartung und Reparatur von Bootsmotoren oder Bootsbauern für Reparaturen und Umbauten zusammen. Da wird erwartet, dass der Eigner diese Arbeiten machen lässt.

Hinzu kommen Lärm oder Staub und auch die Erfahrung des Vermieters, dass sich die Arbeiten endlos hinziehen und mancher Landstellplatz zur Dauer- und Großbaustelle wird. Es gibt auch Eigner, die sich an ihrem Boot sprichwörtlich verheben, sich in ihrem Projekt verlieren und nie zu Potte kommen. Die Baustelle wird irgendwann aufgegeben. Eines Tages ist die kumulierte Liegegebühr zuzüglich Zinsen größer als der Wert des Bootes. In dieser vertrackten Situation haben dann alle ein Problem.

Wer sich in einem beliebten Revier nach einem Liegeplatz für einen längeren Zeitraum oder einen Landstellplatz erkundigt, wird direkt gefragt, welche Arbeiten am Schiff zu machen sind. Mancher Anbieter von Liegeplätzen bekommt von den Handwerkern, die auf seinem Gelände an den Booten arbeiten, Provisionen. Dann ist er generell daran interessiert, dass die Betriebe auf seinem Gelände florieren.

Der Eigner sollte auf die Frage nach Arbeit an seinem Schiff vorbereitet sein und sie ehrlich beantworten. Das vermeidet beiderseitige Enttäuschungen und Reibereien. Manchmal ist es auch geschickt, gewisse Routinearbeiten machen zu lassen, um den Liegeplatz überhaupt zu bekommen.

Leider bietet die Bereitschaft des Eigners, Arbeiten an seinem Boot kostenpflichtig machen zu lassen keine Gewähr, dass sie überhaupt oder zufriedenstellend ausgeführt werden. Mancher Handwerker kostet nur Geld, Nerven und Zeit. Er macht mehr kaputt als er repariert.

Orientierend dazu ist ein Spaziergang durch den Hafen, das Winterlager- und Werftgelände. Wer clever ist sucht als wenig erfahrener Bootseigner oder Neuling in einem bestimmten Revier das Gespräch mit Eignern, die ihr Boot schon eine Weile vor Ort haben. Wer viel an seinem Boot zu tun hat, sollte sich diese Zeit nehmen. Natürlich gilt es auch bei den Eignern die Spreu vom Weizen zu trennen. Bei einem Bier oder während eines gemeinsamen Abendessens lernt man die Besserwisser, Nörgler und Schwätzer von den Machern und Praktikern zu unterscheiden. Wie im sonstigen Leben auch muss man den Flurfunk und Küstenklatsch zu filtern wissen. Diese Sondierung braucht neben Fingerspitzengefühl Zeit. Sie spart letztlich Lehrgeld.

Da bekommt man einen Eindruck, welcher Elektriker, Motorenmann, Metallbauer, Segelmacher etwas kann. Wer zuverlässig und termintreu arbeitet. Oder wer einfach nur ärgerlich, schlecht und teuer ist.

Erfahrene Eigner verlassen sich übrigens niemals darauf, dass Arbeiten, die im Herbst klipp und klar besprochen wurden, im Frühjahr gemacht sind. Meist werden die Jobs einfach vergessen, werden Zusagen nicht eingehalten. Nicht nur im sonnigen Süden oder der fernen Karibik, auch in Skandinavien hat ein „Yes“ oder „No problem“ eine andere Bedeutung als hierzulande. Oft ist es nur eine Floskel für „Vielleicht“ oder „Mal sehen“. Damit ist dem Eigner leider nicht geholfen. Eine Liste und gelegentliches Nachfassen (Anrufen oder Email) hilft.

Törnentscheidende oder sicherheitsrelevante Arbeiten, beispielsweise an der Bordelektrik, an der Maschine oder am Rigg sollte man erst vergeben, wenn man den Handwerker vor Ort kennt. Sonst ist „außer Spesen nicht gewesen“ - die Probleme können nachher größer als zuvor sein.

Fazit: Letztlich ist die Infrastruktur, das Netzwerk der Spezialisten rings ums Boot wichtiger als der Landstell- oder Winterlagerplatz selbst. Ein Boot kranen und es in einem Diebstahl- und windsicheren Bootslager abstellen können viele. Je weiter sich das Boot von Zuhause entfernt befindet, je älter es ist und je mehr daran zu tun ist, desto wichtiger ist die Klärung dieser Fragen.

Autor

Erdmann Braschos

Geschrieben von

Der versierte Segler berichtet seit 1988 in namhaften Medien aus der maritimen Welt. Dank langjährigem Betrieb eines eigenen Schiffes (http://malsegeln.de/) ist er hands-on, mit der Pflege, Reparaturen und dem Werterhalt von Booten vertraut.

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