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Das KIS-Prinzip: Keep it simple

Autor: Erdmann Braschos
  

Der Blick in Häfen, Buchten und Landstellplätze zeigt völlig überausgerüstete Boote. Leider verhindert der Klimbim die Nutzung.
Heute gibt es für jede erdenkliche Situation spezielles und vielleicht auch irgendwie sinnvolles Zubehör: AIS-Tracker für Schiffsinfos, motorisierte Ankerwinschen, Bugstrahlruder, Radar, Satcom-Kuppeln, Sonnenkollektoren, Windgeneratoren, Windmeßanlagen, fließend warmes Wasser, Heizung, Klimaanlage, elektrische oder hydraulische Helferlein für dies und das. Die Kataloge und Websiten der Ausrüster sind voll davon.

Das KIS-Prinzip: Keep it simple
Unverzichtbar: Eine analoge Windrichtungsanzeige vom Typ Windex

Obwohl Boote vermarktet werden wie Autos, haben sie nicht die Perfektion und Zuverlässigkeit eines PKW. Das liegt an den kleinen Stückzahlen, an der unterschiedlichen Nutzung und auch an der erschütternd minderwertigen Qualität manches Zubehörs. Ein Auto wird sorgfältiger konstruiert und vor allem regelmäßig gewartet. Essenzielle Sachen werden beim Werkstattbesuch oder TÜV bemerkt.

Je mehr "nice to haves" am Motor- oder Segelboot eingebaut sind, desto störanfälliger und wartungsintensiver ist es. Je weniger Extras man hat, desto mehr Ruhe und Zeit bleibt Ihnen mit Ihrer Familie und Freunden für schöne Stunden auf dem Wasser. Je einfacher und auch für den Laien verständlich das Zubehör konstruiert ist, desto eher läßt es sich pflegen. Deshalb: Schauen Sie sich genau an, was Sie kaufen. Bestimmte alte Lewmar Winschen beispielsweise mußten für die übliche Reinigung und Schmierung ihres Innenlebens komplett vom Boot abgebaut werden. Das ist absurd aber wahr.

Verbringen Sie mehrere Sommer mit Ihrem gebraucht gekauften Boot und überlegen Sie sich genau, was Sie wirklich an Bord brauchen. Ein Bugstrahlruder ist praktisch, keine Frage. Aber stehen die Kosten des nachträglichen Einbaues im Verhältnis zum Nutzen? Wie oft braucht man es in einer Saison wirklich?
Gleiches gilt für den Komfort. Braucht man wirklich fließend warmes Wassers, wie wir es von daheim kennen? Ähnlich verhält es sich mit dem Radar und dem AIS-System, welches Sie über den Kurs und die Geschwindigkeit, der umgebenden Schiffe informiert. Bei üblichen Bedingungen, also dann, wenn Sie Ihre Freizeit auf dem Wasser verbringen, brauchen Sie das nicht. Wozu braucht eine Segelyacht eine elektronische Anzeige der Windrichtung und -stärke, wenn der Blick aufs Wasser und der Windex diese Information preiswert analog bietet?

Nun soll hier nicht der nautische Minimalismus, wie ihn der legendäre Weltumsegler und Aussteiger Bernard Moitessier einst mit seiner „Joshua“ auf die Spitze trieb, gepredigt werden. Es gibt sinnvolle, langlebige und auch zuverlässige Ausrüstungen. Ohne Bordtoilette geht es nicht. Das einfachste manuelle Modell von Jabsco für derzeit 129 € in der Kompaktversion und 193 € mit Standard Schüsselweite langt. Die hält jahrelang und verkraftet auch Toilettenpapier. Für dieses gängige Modell gibt es überall Ersatzteile. Sie ist so günstig, daß Sie sie nach einer Weile einfach ersetzen und wieder vergessen können. Beim Sanitärschlauch dagegen wird nicht gespart. Da wird die teure, geruchssichere Variante genommen und nicht der Billigheimer, den die meisten Serienwerften sträflicherweise einbauen.

Eine Dusche mit Druckwasserpumpe ist ebenfalls praktisch. Eine gescheite Pumpe hält Jahrzehnte. Man möchte doch nach dem Sprung in die schönste Badeanstalt der Welt, das Meer, das Salz vom Körper haben. In diesem Zusammenhang: eine Tankanzeige für sämtliche Wassertanks (ebenso wie für Diesel) ist ebenfalls praktisch. Damit man weiß, wann die Vorräte zur Neige gehen.

Eine Ankerwinde samt schwerem wie teurem Zubehör (mit vorn zusätzlicher Batterie) ist beim kleinen bis mittelgroßen Boot dagegen entbehrlich. Ein Anker bis etwa 20 Kilo läßt sich an der Ankerleine und wenigen Metern Kettenvorlauf von Hand bergen. Das macht etwas Mühe, spart aber viel Geld und reichlich Ärger bei späteren Reparaturen und nebenbei Gewicht weit vorne.

Die neue Brenta 80 DC ist nicht nur äußerlich schlicht sondern auch überlegt und zweckmäßig ausgestattet © Benda/ Jesus Renodo Die neue Brenta 80 DC ist nicht nur äußerlich schlicht sondern auch überlegt und zweckmäßig ausgestattet © Benda/ Jesus Renodo

Die soeben auf den Bootsmessen in Cannes und Genua vorgestellte Brenta 80 DC wurde nur mit bewährter Technik ausgestattet. Als Maschine kam bei der 24 m Yacht ein bewährter Yanmar zum Einsatz. Er läuft ohne kompliziertes elektronisches Motormanagement und läßt sich überall auf der Welt warten und reparieren. Bei den 24 Volt Bordtoiletten wurden nicht die günstigen, sondern die besten von Tecma genommen. Zum Segeln kam eine nachweislich sichere und verschleißarme Tauwerk- und Klemmen Kombination zum Einsatz. Das Unterliek des Großsegels wird mit einer üblichen Talje im Baum von Hand wie bei der Jolle oder mittelgroßen Yacht durchgesetzt. Einzig der Baumniederholder und das Achterstag werden hydraulisch mit der bewährten Handpumpe von Lewmar/Navtec wie beim Regattaboot bedient. Das hält und geht immer. Hinter dem Boot stehen der versierte Admirals Cup Regattasegler, Bootsbauer und Hanse Yachts Gründer Michael Schmidt und sein Kollege Andreas Bock.

Wer sein Boot nutzen statt reparieren will setzt auf bewährte Hardware: 'Bestevaer2' in der Nordsee: © Gerard Dykstra Wer sein Boot nutzen statt reparieren will setzt auf bewährte Hardware: 'Bestevaer2' in der Nordsee: © Gerard Dykstra

Auch die „Bestevaer 2“ des holländischen Hochseeseglers und Konstrukteurs Gerard Dykstra verzichtet auf Klimbim. Das Boot ist schiere Funktion: Die Poller zum Verträuen des Bootes sind mit dem Aluminiumdeck verschweißt. Das spart den üblichen Elektroloyse-Ärger mit den verschraubter Beschlägen. Unter Deck gibt es kleine Plastikkörbe aus dem Baumarkt zum Verstauen. Das ist einfach, leicht und günstig. Nach vielen Tausend, gemeinsam mit seiner Frau auf dem Atlantik zwischen Grönland und Südamerika gesegelten Meilen, würde Dykstra an seinem zweckmäßigen Schiff sogar die Farbe an Deck weglassen.

Auch die „Kathena Nui“ von Deutschlands berühmtestem Weltumsegler Wilfried Erdmann ist ein unkaputtbares Keep it simple Boot. Zwei einhand Weltumsegelungen, die zweite von Ost nach West gegen Wind und Strömungen, haben das bewiesen. Das 10,50 m Boot ist gleichermaßen spartanisch wie zweckmäßig mit einer Pinne (statt Rad), einem immer funktionierenden Bindereff (statt störanfälligen Rollgroß) unterwegs. Die Vorsegel werden an Stagreitern gesetzt. Das hält und funktioniert immer.

„Simplicity afloat is the surest guarantee of happiness“

Auch wenn Sie nicht so große Törns planen, sondern ab und zu auf dem Hauslago, vor ihrer Lieblingsinsel oder -küste unterwegs sind: Lassen Sie sich nicht beirren, was Ihnen in Zeitschriften und Katalogen alles zum Kauf nahegelegt wird oder was Ihr Nachbar im Hafen vielleicht hat. Das wußte bereits der berühmte amerikanische Bootskonstrukteur Lewis Francis Herreshoff: „Einfachheit auf dem Wasser ist der sicherste Garant für Glück.“

Achten Sie auf die wesentlichen Dinge, eine zum tatsächlichen statt angenommenen Bootsgewicht passende, zuverlässige Maschine, auf die auf den üblichen Verbrauch (maßgeblich den Stromfresser Kühlbox) abgestimmte Batterie, den Tiefentladeschutz gleich mit dazu und ein gescheites intelligent geregeltes Ladegerät. Als Segler nehmen Sie im Zweifel ein bis zwei Nummern größeres Equipment wie Schienen, Umlenkrollen, Winschen, Klemmen und Tauwerk.

Für übliche Törns reichen eine Logge, ein Echolot und ihr siebter Sinn. Logge und Lot gibt es in zuverlässiger, etwa 15 - 20 Jahre haltbarer Qualität als preiswertes Kombiinstrument. Ihr siebter Sinn entwickelt sich, wenn Sie möglichst oft draußen auf dem Wasser statt im Hafen beim Basteln sind.

Autor

Erdmann Braschos

Geschrieben von

Der versierte Segler berichtet seit 1988 in namhaften Medien aus der maritimen Welt. Dank langjährigem Betrieb eines eigenen Schiffes (http://malsegeln.de/) ist er hands-on, mit der Pflege, Reparaturen und dem Werterhalt von Booten vertraut.

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Meercedes ahoi!

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Das neueste Spielzeug für verwöhnte Daimler-Liebhaber heißt „Arrow 460 Gran Tourismo“ und wurde unlängst in Nizza zu Wasser gelassen. Auch andere europäische Automobilmarken haben sich längst dem Wassersport verschrieben und gehen mit ihren Booten baden. Was bitte nicht wörtlich zu nehmen ist.

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Feedbacks“Nach knapp 2 Monaten wurde das Boot verkauft. Eine gute Zeit, wie ich finde.”
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