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Grosse Helden auf kleinen Booten (Teil 1)

Autor: Michael Kunst
  

Die Skipper der Mini 6.50 und ihre legendäre Regatta Mini Transat sind die wahren Sympathieträger des Regattasports.

Grosse Helden auf kleinen Booten (Teil 1)
Ein Mini Transat unter Vollzeug Richtung Karibik © P. Garenne/GPO

Hand aufs Herz: Das mit dem America’s Cup ist ja alles schön und gut, aber sind diese wie Security-Lohnarbeiter verkleideten Typen mit Mikro vorm Gesicht und Sturzhelm auf dem Schädel wirklich noch Segler? Okay, sie bewegen zu Elft 22 m lange und rasend schnelle, zweikufige Carbonschlitten auf Flügelschwertern, die mit so etwas Ähnlichem wie einem Segel angetrieben werden über einen Regattakurs, der sich vor allem dadurch auszeichnet, dass er in 45 Minuten absolviert sein sollte. Und, ja, das mit der Taktik und den Manövern machen sie auch ganz gut – nur: wo bleibt der Esprit? Wo ist der Charme? Der Kampf mit den Elementen? Die seelenverwandte Einheit aus Segler und Boot? Der herzerweichende Sonnenaufgang nach einer rauen Nacht an der Pinne? Das Gefühl von Freiheit und Abenteuer?
Um genau das bei einer Regatta zu erleben und wiederzufinden, sollte man am anderen Ende der Masstabelle ansetzen: Bei den kleinen, ganz kleinen Booten, die meistens alleine gesegelt werden und deren Skipper sich trotzdem weit hinaus wagen, so weit, dass sie hinterm Horizont verschwinden und wochenlang über die Meere segeln, um sich auf der anderen Seite des Ozeans bei einem (oder zwei?) Rum von ein paar KollegInnen, die schon vorher angekommen sind, feiern zu lassen.
Kurz: Wer abenteuerlichen Regattaesprit mit wahren Helden erleben möchte, der sollte sein Augenmerk ab dem 13. Oktober auf die MiniTransat richten, die vom bretonischen Douarnanez über Lanzarote (1.257 sm) nach Pointe a Pitre auf der karibischen Insel Guadeloupe (2.764 sm) führt.

Sage und schreibe 88 der nur 6,50 m kurzen Boote werden am Start sein, 14 Nationen sind vertreten, andrerseits sind „nur“ 30% der Flotte nicht französischen Ursprungs. Und, ja, drei Schweizer sind dabei… aber davon später mehr.

Ziemlich zickig

Minis sind Boote der Extreme – extrem kurz, extrem breit, extrem schnell und extrem zickig. Bei einer Länge von 6,50 m und einer ausserordentlichen Breite von bis zu 3,00 m werden sie im ständig übertakelten Modus gefahren: Dank einer Segelfläche von 50 qm am Wind und weiteren 50 qm bzw. 80 qm auf Reachkursen, sind sie ziemlich flott unterwegs. Stundenlange Ritte bei über 17 kn Speed sind keine Seltenheit, ab 3-4 Bft kommen die „Pfeile“ ins Gleiten.
Mini 6.50 sind die wohl kleinste Klasse der Welt, die (mittlerweile) als zertifiziert seegängig gilt; u.a. müssen sich grundsätzlich alle Boote nach Kenterung von alleine wieder aufrichten – vor grossen Regatten der Klasse, wird dies bei jedem einzelnen Teilnehmer überprüft.
Seit 10 Jahren segelt die Konstruktionsklasse bei allen Regatten in zwei getrennten Kategorien: Prototypen (Protos) und Serienboote. Erstere sind deutlich schneller unterwegs, aber naturgemäss auch erheblich aufwändiger zu finanzieren – Budgets für eine vordere Platzierung bei der MiniTransat von 180.000 Euro (wobei der Bootswert bei ca. 100.000 Euro liegt – eine Menge Geld für 6,50 m Boot) sind keine Seltenheit; bei den Serien-Minis geht es dagegen wirtschaftlich ungleich „gesitteter“ zu.
Die gesamte Klasse gilt seit jeher als Testfeld für regattatechnische Neuerungen; so wurden etwa Carbonmasten, Doppelruder, Neigekiele und der Magnum-Plattbug zuerst bei der MiniTransat ultimativen Härtetests unterzogen. In diesem Jahr wird ein Mini erstmals mit einem DSS (Dynamischen Stabilitätssystem) für eine Langstrecke ausgerüstet sein, ein quer liegendes Schwert, das jeweils in Lee ausgefahren wird.

Lesen Sie in unserem zweiten Teil unserer Mini Transat Serie über die Entstehung des Rennens und über die Kronfavoriten des diesjährigen Rennens.

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Seit 25 Jahren als Reporter unterwegs, segelt seit er im Midlife-Crisis-Alter ist, ein gebrauchten Laser.

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