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Faszination Zwölfer

Autor: Erdmann Braschos
  

Der Zwölfer ist Paradepferd und Schlachtroß der Regattabahnen, ultimative Kreuzmaschine und inshore-Reüssierschlitten. Einblicke in eine unzeitgemäße Klasse, deren Flotte in Norddeutschland und Dänemark von 3 auf derzeit 11 Schiffe gewachsen ist. Weitere Schiffe folgen.

Faszination Zwölfer
Die First Rule Zwölfer 'Heti' und 'Cintra' in unseren Gewässern. © Ulf Sommerwerck/Trivia GmbH

Die Zwölfer unserer Gewässer haben wie kaprizöse Pferde prägnant kurze Namen. Sie heißen Anita, Anitra, Cintra, Evaine, Flica, Heti, Sphinx, Thea, Trivia, Vanity oder Vim. Sie sind elegant, schmal und etwa 20 m lang. Sie sind mit ihren 30 t wahre Regatta-Schlachtrösser. Man sollte das Segelhandwerk beherrschen, um sich mit diesen Boliden bei frischem Wind auf der Regattabahn zu messen.

Heute, wo die fortschrittliche Segelszene in die Luft geht, kitet, surft und mit ultraleichten Hightech-Geschossen im widerstandsarmen Tiefflug auf Tragflächen über das Wasser brettert, erscheinen die bleischweren Langkieler unzeitgemäßer denn je. Dennoch wird ein Exemplar nach dem anderen restauriert, im Mittelmeer, den Staaten oder Kanada gekauft.

Die Boote werden fürs Regattasegeln zur Kieler und Flensburger Förde, nach Kopenhagen oder Marstrand überführt. Etwa hundert der insgesamt 170 gebauten Exemplare existieren noch. Die schönsten Zwölfer, da ist sich die Szene einig, sind die klassisch langkieligen Schiffe. Aber es gibt auch Liebhaber moderner Konstruktionen, beispielsweise den Münchener Hotelier Markus Daniel, der sich für den Philippe Briands Entwurf „French Kiss“ von 1985 begeistert und ihn im Mittelmeer segelt.

Es ist noch nicht lange her, da waren mit dem Vereinsboot „Anita“ und den Ausbildungsschiffen „Ostwind“ und „Westwind“ der Marine drei reichlich gebrauchte Zwölfer in unseren Gewässern unterwegs. Der Zahn der Zeit nagte am morschen Gebälk mit rostenden Stahlspanten. Die Substanz war sprichwörtlich abgesegelt. Der kostspielige Erhalt der Boote schien nicht mehr in unsere Zeit zu passen.

Dennoch sind aus den wenigen Exemplaren mittlerweile elf Schiffe in der westlichen Ostsee geworden. Es gibt sogar eine eigens auf Meterklassen spezialisierte Werft. Bei den Robbe & Berking Classics wird demnächst ein komplett neuer Zwölfer nach Plänen von Johan Anker von Anno 1939 fertig. Die Flensburger Werft hat außerdem die australische Gretel von 1962 und die Reste der englischen Jenetta von 1939 auf dem Hof stehen.

Für die Zwölfer-Faszination gibt es drei Gründe: einen geschichtlichen, einen ästhetischen und als wichtigsten den seglerischen. Der Nimbus ergibt sich aus der Funktion als ehemaliger Amerika-Pokal Klasse. Mit dem Zwölfer wurde von 1958 (Newport) bis 1987 vor dem australischen Fremantle Segelgeschichte geschrieben. Die besten Yachtkonstrukteure, Boots- und Mastenbauer, Beschlagshersteller, Segelmacher, die ausgebufftesten Segler und Taktiker maßen sich damals in der Klasse.

Die Schiffe, besonders die langkieligen Exemplare der Dreißiger Jahre sind elegant. Man kann sie sich vom wuchtigen Vorsteven bis zum apart aus dem Wasser gehobenen Achterschiff lange ansehen.

Und er ist ein wahres Vollblut. Es ist ein süchtig machendes, Vergnügen ihn zu segeln. Es gibt keinen zweiten Bootstyp, der mit vergleichbarer Rasanz an den Wind und ähnlich unnachgiebig durch das Wasser geht. Mit seinen annähernd 30 t und etwa 15 t Blei unter den Bodenwrangen hat der Zwölfer richtig Wumms. Näher am Wasser und schierem Segelspaß ist kaum eine andere Klasse gebaut.

Ihren Appeal und Power verdankt sie der 1906 in London vereinbarten International Rule. Sie gibt die schlanke Linie vor, reichlich Segelfläche und das endlos aufrichtende Moment. Die Formel ist einfach, Insider halten sie nach wie vor für genial: Länge plus Breite plus 1/3 Gurtmaß plus dreifache Verdrängung plus dritte Wurzel aus Segelfläche, geteilt durch 2 (später 2,37).

Die Formel wurde zwei Mal überarbeitet, weshalb Kenner von First, Second und Third Rule Zwölfern sprechen. Zunächst wurde gaffelgetakelt und mit viel Tuch gesegelt. Anfangs berücksichtigte die Formel die Segelfläche nur zu einem Drittel, in der Second Rule ging sie bereits zu 44 Prozent in die Vermessung ein.

Die Second Rule von 1920 ließ die moderne Bermuda oder Marconi-Hochtakelung zu. Die Masten wanderten nach achtern, die Vorsegel wurden größer. Die seit Ende der Zwanziger Jahre diskutierte und seit 1933 gültige Third Rule berücksichtigte Fortschritte im Mastbau und Zugeständnisse an die Segler in den Staaten, was die Klasse letztlich zur Amerika Pokal Klasse machte.

Zunächst führten die Zwölfer ein „E“ als Klassenzeichen im Segel. Der Buchstabe „A“ war der sogenannten Big Class, das „B“ dem 23er als größter Meterklasse, das „C“ dem 19er, das „D“ dem 15er vorbehalten.

Nach der vielbeachteten Wiederintriebnahme des First Rule Zwölfers „Heti“ 2005 (Max Oertz 1912) kam 2013 die „Cintra“ (William Fife 1909) dazu. Die Begeistung des Hamburger IT-Unternehmers Wilfried Beeck, der seit Jahren den Charles Nicholson 12er „Trivia“ von 1937 segelt, ist so groß, das er „Cintra“ übernahm.

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12er Segeln ist Teamwork auf hohen sportlichem Niveau: Trivia bei der 12er WM 2014 © Trivia GmbH

Auch Patrick Howaldt, der sich an Bord seiner „Vanity V“ mit großem Vergnügen mit „Trivia“ auf den Regattabahnen misst, entschied sich neulich für einen zweiten Zwölfer“, die berühmte „Vim“. Das Boot wurde 1938 von Olin Stephens für Harald S. Vanderbilt entworfen. Es war der erste Zwölfer mit Aluminiummast und Rod Rigg (Wanten aus dehnungsarmen Stahlsträngen statt Stahldraht), dominierte in der Saison ‘39 die englischen Zwölfer und legte den Grundstein für die spätere Dominanz beim beharrlich verteidigten America’s Cup.

Dabei ist der artgerechte Betrieb eines Zwölfers bereits eine große, die Freizeit wahrlich ausfüllende Aufgabe, wie die hinter mancher Kostbarkeit stehenden Eigner oder Eignergemeinschaften wissen. Die „Anita“ oder „Heti“ werden von Vereinen bewegt. Andere wie die sehenswert natur lackierte Burgess Konstruktion „Anitra“ von einer Eignergemeinschaft, wie übrigens auch der elegant dunkelblaue Henry Rasmussen Entwurf „Sphinx“ von Flensburger Enthusiasten.

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Viel Tuch, viel Arbeit, viel Spaß: Anitra auf der Kieler Förde © Wikimedia VollwertBIT

Wer sich aus verständlichen Gründen keinen Zwölfer an Bein binden möchte, chartert einfach einen mit Geschäfts- oder Segelfreunden. Oder er heuert einfach als Mannschaft auf einem der Schiffe an. Zupackende Hände werden auf den arbeitsintensiven Schiffen immer gesucht. Sei es zur Überführung zu den Regatten an der Ostsee, sei es bei den Events selbst. Mit seiner riesigen Genua, die mit Kaffeemühlen-artigen Winschen dichtgeholt wird, ist der Zwölfer eine Freiluft-Muckibude. Außer einer gewissen Fitness, die auf diesen Sportgeräten sehr hilfreich ist, sollte man sich gut festhalten können. Es wird meist ohne Reling gesegelt. Einfach mal in der unten stehenden Linksammlung stöbern und in Kiel, Flensburg oder Laboe vorbeischauen.

Die Bezeichnung hat entgegen naheliegender Vermutungen nichts mit ihrer Länge zu tun. Als Konstruktionsklasse ist der Zwölfer 18,60 bis 22 Meter lang. Die 12 ist das Ergebnis einer Formel, die Eckdaten wie ein bestimmtes Rumpflängenmaß (L), die Breite (B), das Gewicht (d), das Profil des Bootskörpers (G), die Höhe der Bordwand (F) und einen Teil der Segelfläche (S) anhand der International Rule miteinander so verrechnet, das besagte Segelmeterzahl herauskommt. Gemäß International Rule vermessende Meterklassen gibt es übrigens vom 5er über den 6er, 8er, 10er, 12er, 15er, 19er bis hin zur 23 mR-Yacht.

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Autor

Erdmann Braschos

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Der versierte Segler berichtet seit 1988 in namhaften Medien aus der maritimen Welt. Dank langjährigem Betrieb eines eigenen Schiffes (http://malsegeln.de/) ist er hands-on, mit der Pflege, Reparaturen und dem Werterhalt von Booten vertraut.

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