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Es kommt auf die Kürze an!

Autor: Michael Kunst
  

Als Harlad Sedlacek Anfang Juli nach 46 Tagen und 20 Stunden seine West-Ost- Atlantiküberquerung auf seinem Open 16 „Fipofix“ beendete, erntete der Österreicher europaweit reichlich Applaus. Das 4.90 Meter kurze, quietschgelbe Boot, mit dem er schon den Hinweg über die atlantische, südliche Barfußroute in negativ-rekordverdächtigen 87 Tagen absolviert hatte, wurde in den Medien als „Mikroyacht“ bezeichnet und als eine Art reduzierte Folterkammer vorgestellt: 4,90 Meter kurz, mit zwei Quadratmetern Bewegungsfreiheit unter Deck – mehr nicht! „Zu wenig Platz für die Weiten der See!“ hieß es…

Es kommt auf die Kürze an!
Ein Mann – ein (verdammt kleines) Boot © fipofix

Als Harlad Sedlacek Anfang Juli nach 46 Tagen und 20 Stunden seine West-Ost- Atlantiküberquerung auf seinem Open 16 „Fipofix“ beendete, erntete der Österreicher europaweit reichlich Applaus. Das 4.90 Meter kurze, quietschgelbe Boot, mit dem er schon den Hinweg über die atlantische, südliche Barfußroute in negativ-rekordverdächtigen 87 Tagen absolviert hatte, wurde in den Medien als „Mikroyacht“ bezeichnet und als eine Art reduzierte Folterkammer vorgestellt: 4,90 Meter kurz, mit zwei Quadratmetern Bewegungsfreiheit unter Deck – mehr nicht! „Zu wenig Platz für die Weiten der See!“ hieß es…

Doch echte Mikrosegler dürften angesichts dieser Längen-, pardon: Kürzenangaben nur milde gelächelt haben. Denn in ihrer Szene gilt das Motto: „Zehn Fuß ist die richtige Länge für wahre Gentlemen!“
Zehn Fuß? Das sind 3,0480 Meter – als Mittelmaß!
Mehr als ausreichend für die Protagonisten, die es sich schon seit Ende des vorletzten Jahrhunderts in den Kopf gesetzt haben, die Weltmeere oder zumindest Teile davon mit buchstäblichen Nussschalen zu besegeln. Und das ohne Begleitfahrzeuge, in den meisten Fällen ohne jegliche Verbindung zur Außenwelt. Ihr einziger Antrieb: Hunger auf Rekorde der kurzen Art. Denn je reduzierter die Bootslänge, desto größer der Ruhm unter ihresgleichen.

Mehr als 80 „große Schläge in kleinen Booten“ über den Atlantik, den Pazifik oder die Tasmanische See wurden bis heute dokumentiert. Vom kommoden 20-Fuß-Pionier im Jahre 1876 bis zum 1, 64 Meter messenden „Schuhkarton“ 1992 wurde allein auf dem Nordatlantik eine faszinierende „Geschichte der kurzen Boote“ gelebt. Aus naheliegenden Gründen segelten die Protagonisten meist allein und verarbeiteten ihre extreme physische und psychische Belastung nach dem Törn in Büchern oder bei Vortragsreisen. Oder bei einem weiteren Kurztrip der anderen Art!

Fünf erklärte Mikrosegler ließen bei ihren Abenteuern auf See ihr Leben auf See. Zwei Boote wurden – intakt – ohne Skipper an Land gespült, andere verschwanden spurlos auf den Meeren.

Vor einigen Jahren versuchten die Mikrocruiser eine Weltumseglungsregatta auf die Beine zu stellen (Around in Ten), bei der die teilnehmenden Boote nicht länger als die besagte Gentleman’s-Größe haben sollten. Doch das Vorhaben scheiterte: von sieben gemeldeten Schiffen war letztendlich nur ein Skipper abfahrtbereit und – willig.

Derzeit machen nur wenige „echte“ Mikro-Skipper noch von sich reden: der 70jährige Daniel Alary wollte in drei Etappen um die Welt segeln, muss aber am 100. Tag seiner Reise SOS funken und seine 2, 70 m kurze „Poisson d’Avril“ (in Memory: Aprilscherz) aufgeben. Und dem mittlerweile auf See verstorbenen Russen Gvzdev wird bei seiner Weltumseglung vor Somalia auf seinem 5,60 m – Boot, von Piraten das Leben geschenkt. Demokratisch wählten sie nach Der Kaperung „ no kill him!“

Mann mit dem vollen Durchblick bei Mikroyachten © Yrvind Mann mit dem vollen Durchblick bei Mikroyachten © Yrvind


Nur der alte Schwede Sven Yrvind (75) baut unermüdlich an seiner 3-Meter-Nussschale weiter und will – trotz Behördenschikane und Augenproblemen – in Kürze zu einer Nonstop-Weltumseglung starten. Der Mann weiß, worauf er sich einlässt: er gilt mit 50 Jahren Mikro-Erfahrung als Dienstältester unter den Helden auf drei Metern.

Aprilscherz Hugo Vihlen, 1. Rekord 1968  © vihlen Aprilscherz Hugo Vihlen, 1. Rekord 1968 © vihlen

Eine Auswahl:

  • Die erste offizielle „Ost-West-Atlantiküberquerung in einem kleinen Boot“ schafften der Amerikaner Buckley und der Österreicher Primorac 1870 in einem offenen (!) 6-Meter-Dinghi in 84 Tagen von Cork nach Boston. • 1880/81 segelten die Briten Norman und Thomas in einem 4,90-Meter-Boot gleich zwei Mal die Atlantik-Route – mit einem Jahr Landgang dazwischen. Ihre Abfahrt wurde von 30.000 Menschen gefeiert. • 1892 besiegte William Andrews in einem 3,90 m kurzen Boot den „großen Teich“, nachdem er vier Jahre zuvor scheiterte • 1939 driftete Harry Young in 39 Tagen von New York zu den Azoren auf einer ebenfalls 3,90 Meter kurzen, offenen Sloop. • 1963 segelt Fran Dye die 4,90 Meter kurze „Wanderer“ von Schottland nach Island. • Ab 1965 schipperte Robin Leen Graham als 16 jährige, bis dahin jüngste Person überhaupt, in mehreren Jahren und Etappen auf einem 6-Meter-Boot um die Welt. • Hugo Vihlen segelte 1968 auf der „Aprilscherz“, einer 1,83 m-Sperrholzkiste, von Casablanca nach Miami. • Erst 1982 wird dieser „Kürze-Rekord“ gebrochen: Tom McNally braucht nur 1,64 m LüWl, um mit seinem an ein Rettungsboot erinnernden Gefährt auf die andere Seite des Atlantiks zu gelangen • Tom McLean trieb 1982 auf seiner „Giltspur“ (2,97 m) von West nach Ost über den Atlantik • 1982 strandete die 2,72 m kurze „God’s Tear“ von Wayne Dickinson kurz vor Erreichen des Ziels an der irischen Küste. Der Segler wird von einem Leuchtturmwärter gerettet. • Ab 1983 benötigte der französischstämmige Australier Testa 500 Tage um mit einer selbstgebauten Aluyacht von 3,60 Metern Kürze um die Welt zu segeln. • Im gleichen Jahr sägt Tom MClean spektakulär mit der Kettensäge ein Stück seiner „Giltspur“ ab und segelt mit dem reduzierten , 2,41 m kurzen Teil über den Nordatlantik. • Im gleichen Jahr nimmt ihm Tom McNally mit seinem 2,06 m kurzen Gefährt den Rekord wieder ab • 1993 setzt Hugo Vihlen – genau, der Aprilscherzbold – mit seiner „Vatertag“ einen Atlantik-Nordroutenrekord, der bis heute gültig ist: 1,63 Meter… reduziert auf ein Maximum!

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Seit 25 Jahren als Reporter unterwegs, segelt seit er im Midlife-Crisis-Alter ist, ein gebrauchten Laser.

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