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"Der Gebrauchtbootmarkt ist überhitzt!“

Autor: Hinnerk Stumm
  

Der Zeitpunkt zum Kauf einer Gebraucht-Yacht war nie günstiger: Der Markt ist riesig und wächst weiter, – wodurch die Preise weiter fallen. Aber betrifft die Gebrauchtbootschwemme alle Boote?

"Der Gebrauchtbootmarkt ist überhitzt!“

Der Gebrauchbootmarkt ist überhitzt. Nie zuvor waren so viele Yachten am Markt. Das belegt eine interne Studie der ADAC Sportwirtschaft. Wurden 2009 noch rund 90.000 Boote in deutschen Printmagazinen und Online-Börsen gehandelt, sind es nun weit mehr als doppelt so viele.

Jürgen Tracht, Geschäftsführer beim Bundesverband für Wassersportwirtschaft, beobachtet diesen Trend seit Jahren und prognostiziert eine weitere Verschärfung der Lage. „Das Durchschnittsalter von Wassersportlern liegt bei 59 und die Branche verliert schon jetzt jährlich etwa 5.000 Bootseigner.“ Gleichzeitig fehle der Nachwuchs, so dass der langjährige Boots-Boom quasi zu einer Überflutung des Marktes führte. Hinzu kommt: GFK als Bootsbau-Werkstoff ist deutlich langlebiger als einst angenommen. „Nach einer Untersuchung des BVWW sind 80 % aller gebauten GFK-Yachten noch immer im Einsatz“, sagt Tracht. „Alles Gründe, die für weiter fallende Preise sprechen.“

Aber betrifft der Preisverfall Yachten aller Klassen und Größen? „Insgesamt läuft der Verkauf von gebrauchten Yachten zur Zeit eher schleppend. Gerade bei kleinen Yachten, die älter als 25 Jahre sind, gibt es ein riesiges Angebot“, meint Saare-Händler Thomas Nielsen von Yachtsport Eckernförde, der seit zig Jahren auch mit Gebrauchtbooten handelt. Das sei eine gute Gelegenheit für Einsteiger. „Eine familientaugliche Yacht zwischen sieben und zehn Metern ist oft schon für wenige tausend Euro zu bekommen.“

Dem rapiden Preisverfall steht bei manchem Eigner eine überzogene Wertvorstellung entgegen. Aber nur wer sein „Schätzchen“ realistisch einschätzt, kann es auch Boot verkaufen. Bessere Karten haben Eigner hochwertiger Qualitätsyachten wie von Najad Segelboote, Nimbus Motorboote, Windy Motorboote oder Hallberg Rassy Segelboote, denn dieses Segment laufe deutlich besser als das von Großserien-Werften, die alle paar Jahre ein neues Modell auf den Markt bringen und so die eigenen Vorgänger im Preis drücken.
Hinzu kommt, dass diese Yachten auch im Charterbetrieb gesegelt werden. Und da die Charterfirmen alle paar Jahre ihre Flotten erneuern, werden regelmäßig viele vermeintlich „alte“ Charteryachten in den Markt gespült. Das Angebot wächst weiter.
Geht der Trend also zurück zu kleineren und dafür hochwertigeren Yachten? Nielsen ist sich da sicher: „Der jahrelange Trend, bei dem es nur darum ging, eine möglichst große Yacht für möglichst wenig Geld zu bekommen, ist vorbei. Viele wollen heute lieber eine kleinere und so im Unterhalt günstigere Yacht, die dafür exklusiver wie wertiger ist.“

Individualität spiele eine große Rolle, genauso wie Langlebigkeit und eine gute Ausstattung. Yachtmakler Dines Pontoppidan von Diamond Yachts aus Laboe sieht das so ähnlich: „Charakterstarke Yachten gehen besser als beliebige Boote, die austauschbar sind und sich nur über den Preis definieren.“ Man habe es wieder mehr mit „echten“ Seglern zu tun, die wissen, dass sich mit steigender Größe auch das Handling erschwert.
Viele Käufer seien solvente, ältere Ehepaare, die ohne Kinder segeln und keine Lust haben, bei jedem Törn eine Crew zu organisieren. „Die Komfortansprüche an eine Yacht sind generell gestiegen. Sie soll leicht händelbar bleiben, weshalb sich Bedienungshilfen wie Bugstrahl, elektrische Winschen, Autopilot oder Plotter immer gut machen.“

Aber auch skandinavische Qualitätsyachten sind im Preis gefallen, wenngleich weitaus weniger als die aus der Massenproduktion. Gründe für den Preisverfall gibt es mehrere: Neben der Weltwirtschaftskrise 2007 spielt da auch eine Überflutung des Marktes eine Rolle. Yachten wurden wie im Schneeballsystem verkauft. „Schiff verkaufen, den Eigner nach zwei, drei Jahren mit einer günstigen Finanzierung für ein etwas größeres Schiff locken, um das Gebrauchte dann Einsteigern zu verkaufen“, meint Thomas Nielsen. „Die Endlichkeit war vorhersehbar, irgendwo müssen die Yachten ja auch alle bleiben.“

Jürgen Tracht vom BVWW sieht neben dem demografischen Wandel auch einen Grund im sich verändernden Nutzungsverhalten: „Viele Wassersportler wollen zwar nach wie vor gern auf das Wasser, aber sich deswegen nicht gleich eine Yacht zulegen, die ja auch Klotz am Bein ist und Kapital bindet. Neben dem Wassersport möchten viele heute auch Golf spielen, Ski-Fahren oder anderen Freizeitaktivitäten nachgehen. Eine eigene Yacht aber ist sehr zeitintensiv.“

In der Tat: Der Chartermarkt, bei dem man sich ein Boot auf Zeit und auch in wetterstabilen Traumrevieren leihen kann, boomt. Wer also nicht eine ganz bestimmte junge Yacht sucht und nicht auf dem neuesten Stand an Navigationstechnik sein muss, kann im Gebrauchbootmarkt derzeit durchaus ein Schnäppchen machen, denn alle Yachten fallen mehr oder minder im Preis.

Autor

Hinnerk Stumm

Geschrieben von

Arbeitet als Redakteur bei Segeln Magazin und als freier Journalist.

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