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Das Karma der „Apollonia“

Autor: Michael Kunst
  

Schicksal einer traumhaft schönen Langfahrt-Yacht, von der viele Segler behaupten, sie ziehe das Unglück an. Was sie offenbar erst recht faszinierend macht!

Das Karma der „Apollonia“

Dass manche Schiffe gewissermaßen ein Eigenleben führen, dürfte jedem Boots- und Yachtbesitzer aufgrund häufig ge- und erlebter Erfahrungen durchaus bekannt sein. Zu beobachten bei den Einpark-Manövern unter Motor (Hafenkino), bei anspruchsvolleren Kursen unter gewissen bauchigen Segeln platt vor dem Laken oder ganz simpel immer dann, wenn unbedingt jetzt und sofort das Fernglas gebraucht wird, aber an keinem der dafür bestimmten Orte aufzufinden ist. Erst Wochen später kommt es an einer „unmöglichen“ Stelle liegend wieder ans Tageslicht. Wer das wohl da hingelegt hat?

Manche Skipper gehen sogar so weit und beteuern, dass ihr Boot eine Seele habe. Was per se eine gewagte Behauptung ist, von alten „Salzbuckeln“ aber immer wieder mit „höchst möglich“ bewertet wird. Eigenleben, Seele… da ist es nicht mehr weit zum Schicksal einer Yacht bis hin zum Gesetz von Ursache und Wirkung, vulgo Karma genannt. Kann ein Objekt, wenn auch zumeist ein vielgeliebtes, so etwas überhaupt haben?

Boote und Yachten haben wie Menschen ab dem Tag ihrer Geburt respektive Kiellegung eine Vergangenheit. Und die ist mit mehr oder weniger spannenden und aufregenden Erlebnissen gespickt. Im Wassersport ist nun auffallend, dass ausgerechnet schwimmende Untersätze aus Holz vom Schicksal geprägt, mitunter auch gezeichnet scheinen. Was wiederum mit der Theorie von der Seele eines Bootes zu tun haben kann, aber lassen wir das!

Stoff für unzählige Lagerfeuergeschichten

Ein wirklich spannendes Yachtschicksal ist jedenfalls Stoff für unzählige Lagerfeuergeschichten, Stegbiertratschereien, Bücher und Artikel. Wobei oft gerätselt wird, welche denn nun die spannendste von allen ist?
Gute Chancen auf eine Topplatzierung in so einer Rangliste hätte wohl die „Apollonia“. Deren Schicksal (oder Karma?) gilt schon jetzt als Allzeit-Klassiker. Und wird wohl auch in Zukunft nichts von ihrem Reiz verlieren.

Sie ist und war eine echte Schönheit. Noch aus buchstäblich altem Holz geschnitzt, mit anmutigen Formen, wie man sie heutzutage nur noch selten trifft. Ihre Linien betören, ihr Charisma ist umwerfend. Die derzeit leicht bröckelnde Fassade lässt sie reif und gerade deshalb sexy erscheinen. Kurz: Die „Apollonia“ ist das, was man eine gute Partie nennt.
Als klassische Yawl in der Bremer Werft John de Dood gebaut (Riss: Bill Tripp), fuhr sie zunächst als „Wappen von Bremen“ die Mitglieder der gleichnamigen Segelkameradschaft über die Meere.

Reife Schönheit aus Holz

Für 250.000 D-Mark wurde die 16 Meter lange Schönheit aus Holz (Teak, Mahagoni, Zeder, Eiche) vor nunmehr 35 Jahren an einen damals 35-jährigen Geschäftsmann verkauft, der mit ihr den gerade in Mode gekommenen „Ausstieg“ aus dem Leben des Establishments zelebrieren wollte. Gemeinsam mit seiner Freundin plante er 1981, die „Apollonia“ in die Karibik zu überführen, wo die Yacht verchartert werden sollte.

Vorhang auf für einen der spektakulärsten Kriminalfälle zur See! Auf Gran Canaria, der letzten Station vor dem Sprung über den Teich, sucht sich der offenbar völlig Hochsee-unerfahrene „Apollonia“-Eigner eine Crew aus einem vermeintlich „gestandenen“ Segler und dessen Freundin sowie zwei Chartergästen zusammen.

Nach dem Ablegen zeigt sich die Yacht erstmals als Schicksalsschiff: Der Motor will nicht anspringen, der Anlasser muss kurzgeschlossen werden. Ganz so, als wollte sie diesen Törn lieber nicht antreten. Auf hoher See schlägt nach einigen Tagen schließlich der Gruppen- oder Kajütenkoller zu. Der Navigator an Bord wird den anderen zu penibel und dominant. Streit bricht aus, er „meutert“gegen den Eigner, und übernimmt schließlich dessen Pistole und das Kommando auf dem Schiff.

Pumpenschwengel über Schädel

Der neue Boss an Bord lässt sich vom Eigner Blanko-Unterschriften für spätere Gehaltszahlungen ausstellen, was die Stimmung in der Crew nicht gerade bessert. Die Situation eskaliert. Im Verlauf eines Handgemenges bekommt der selbsternannte Kapitän schließlich den Pumpenschwengel über den Schädel gezogen, kann aber blutüberströmt noch zur Pistole greifen. Er erschießt den Eigner, dessen Freundin und trifft einen der Chartergäste mit einem Schuss in die Lunge, was dieser aber überlebt.

Der Mörder entsorgt die Leichen auf hoher See und setzt die Überlebenden unter Druck. Als die „Apollonia“ auf Barbados einläuft, tischt er den Behörden Lügengeschichten auf und kommt damit durch. Erst als sich der Täter mit Geldforderungen an die Hinterbliebenen der Mordopfer wendet, wird die deutsche Exekutive aufmerksam. Nach Geständnissen der Freundin und des verletzten Chartergastes wird der Täter schließlich des Mordes überführt und zu lebenslanger Haft verurteilt. 1999 wird nach 17 Jahren aus dem Gefängnis entlassen.

Stellt sich nun die Frage: Was hat die „Apollonia“ mit alledem zu tun? Zwar passierten auf ihr diese Ungeheuerlichkeiten, doch kann man deswegen gleich von Schicksalsyacht reden? Tatsächlich erzählte sich die Langfahrt- und Blauwasserszene noch jahrzehntelang immer wieder die Geschichte vom „Mörderschiff“, ohne sich Gedanken darüber zu machen, was die wunderschöne Holzyacht damit zu tun haben könnte.
Bis sich vor einigen Jahren die „Apollonia“ sozusagen selbst meldete. Sie stand nämlich zum Verkauf, was wiederum dank der Neuen Medien auf der ganzen Welt herumposaunt wurde. Naturgemäß erfuhr so der geneigte Interessent mehr über das zwischenzeitliche Schicksal der Yacht und gewürzt mit kleinen Anekdoten aus der Blauwasser-Szene entstanden so weitere Geschichten über Schicksal und Karma, die zu denken geben sollten.

Mysteriöse Todesfälle

Zunächst wurde die Yacht wie ursprünglich angedacht in der Karibik für Charterfahrten eingesetzt. Sie sank während eines Hurrikans, wurde kurz darauf gehoben. Ein Amerikaner namens Fred hat die Yawl in jahrelanger Arbeit in der Bucht von Grenada Marine wieder vollständig restauriert und auf „Vordermann“ gebracht. Fred war mit einer Hotel-Ressort-Besitzerin aus der Gegend liiert.

Angeblich nach den ersten Törns auf der fertiggestellten „Apollonia“ treibt der Vater der Hotelbesitzerin tot im Swimming Pool. Kurz darauf stirbt Fred im Krankenhaus an einer dubiosen Krankheit. Die Hotelbesitzerin (und neue Eignerin der „Apollonia“) erträgt diese Schicksalsschläge nicht und nimmt sich das Leben.

Was bleibt, ist die „Apollonia“. Sie liegt seit ein paar Jahren in der Karibik an der Mooring und gibt keine Ruhe! So beschreibt etwa die Familie Hinrichs auf ihrer spannenden und sehr lesenswerten Website „hitch-hike-heidi“ ein seltsames Erlebnis während ihrer Weltumseglung 2012.

Als sie in St. David’s Harbour vor Grenada liegen, sprechen sie abends mit Freunden über die „übliche Lektüre“ an Bord von Yachten. Die Hinrichs kennen noch nicht „Logbuch der Angst“, in dem das Schicksal der „Apollonia“ minutiös beschrieben wird. Die Freunde leihen ihnen das Buch, die Hinrichs “verschlingen” es.

Kurz darauf werden die deutschen Weltumsegler magisch von einer Yacht angezogen, die da in der Bucht vor sich hin glänzt – genau, die Apollonia! Doch damit nicht genug. Abends erzählen sie in der Kneipe einheimischen Bekannten die Geschichte der Yacht, als plötzlich Alarm geschlagen wird: Ein Schiff habe sich von der Mooring losgerissen und treibe auf ein Riff zu! Die Hinrichs retten mit ihrem 2,5-PS-Dingi die Holzschönheit – eigentlich unnötig zu erwähnen, dass es sich um die „Apollonia“ handelte.

Yacht mit Karma… und Charakter!

Also doch ein Schicksalsschiff? Letzte „Sichtungen“ in der Karibik haben ergeben, dass die Holzschönheit mittlerweile an „Contenance“ verloren hat. Sie lässt sich ein wenig gehen, vielleicht ließen sie ihre letzten Eigner auch zu häufig im Stich. Aufgebockt an Land muss sie halbherzige Restaurierungsversuche an klaffenden Rissen im Holzrumpf über sich ergehen lassen.

Verlassen die einstmals Schöne nun alle guten und bösen Geister? Das werden die nächsten Monate und Jahre zeigen. Doch eines ist sicher: Die „Apollonia“ wird immer ihren Platz im Seemannsgarn der Blauwassersegler behalten. Und wohl ewig als Beweis dafür herhalten müssen, dass Yachten – vor allem solche aus Holz – durchaus ein Karma haben können.

Wer jetzt erst recht eine charakterstarke Holzyacht sein Eigen nennen möchte, dem kann bei boat24.com geholfen werde.

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Seit 25 Jahren als Reporter unterwegs, segelt seit er im Midlife-Crisis-Alter ist, ein gebrauchten Laser.

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